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Wenn Catania einen Nachteil hat, dann ist es der Weg an den Strand. Bis zum Lido Playa Catania sind es mehr als nur ein paar Meter. Catania hat sich den direkten Zugang zum Meer durch eine Bahnlinie und einen Hafen verbaut. Eigentlich ist es eine Schande, dass du das nahe Meer in der Stadt fast vergisst. Wer schnell mal baden will, braucht ein Auto, eine Vespa, muss den Bus oder gar den Zug nehmen. Er fährt Richtung Norden an die Riviera dei Ciclopi oder an den Playa, der näher ist. Über viele Kilometer zieht sich ein breiter Sandstrand entlang des Golfes von Catania Richtung Süden.

Mindestens eine halbe Stunde dauert es. Mit dem Auto kommt am Lido Playa Catania dann noch die leidige Parkplatzsuche hinzu. Im Sommer, wenn es heiß ist, die Bewohner der Stadt unter der Hitze stöhnen und dringend Erfrischung brauchen, ist es kein Vergnügen. Eine lange Straße trennt die Strandbäder am Meer und die begehrten Parkplätze. Die Bäder, von denen manche so einfallslose Namen wie Europa, America oder Internazionale tragen, kosten im Sommer Eintritt, jetzt Anfang Oktober sind sie geschlossen. Die Saison ist vorbei. Die Catanesi baden nicht mehr. Die lange Ausnahmesituation, als die Hitze und die Brände um die Stadt herum, internationale Schlagzeilen machte, ist schon fast vergessen.

Der Ätna spielt mit den Wolken

Ans Meer kommt man jetzt im Oktober nur über einen “spaggia libera”, ein kleines Stück freien Strand. Es muss mehrere geben an der Viale Presidente Kennedy, aber ich lande etwas nördlich vom Lido America. Den Strand und einen unverstellten Blick auf den Ätna habe ich kurz vor der der Mittagszeit fast für mich allein. Der Ätna spielt mit ein paar Wolken, seine Fumarole ist verdeckt, dabei raucht der Ätna eigentlich immer. Heute sieht er fast wie ein Riese aus, der sich ausgestreckt hat und seinen Gedanken nachhängt. Nichts, was überlebensnotwendig wäre, nur das, was er braucht um glücklich zu sein. Und die paar Wolken, die er sich um seinen Finger wickeln kann. Mehr habe ich heute auch nicht zu tun.

Blick auf den Atnä vom Lido di Catania
Blick auf den Atnä vom Lido

“Ein Dorf in der Nähe eines Vulkans wird nie Hungersnöte kennen”, schrieb mal der große Reisende Nicolas Bouvier. Catania ist alles andere als ein Dorf, und ich weiß nicht, ob das bei aller Fruchtbarkeit des Bodens und der andauernden Wirtschaftskrise Siziliens immer für Catania galt. An den Hängen des Ätnas gedeihen Zitrusfrüchte, Olivenbäume und Weinstöcke, dazu Esskastanien, Eichen, Buchen oder Birken. Und es soll Pilze in rauen Mengen geben. In Pedara, im Norden Catanias, findet immer im Oktober das Sagra del Fungo, ein Pilzfest, statt. Vom Lido aus betrachtet, sieht der Ätna heute harmlos aus. Es soll Leute geben, die an der Wolkenbildung an seinen Gipfeln das Wetter vorhersagen können. Trägt der Gipfel einen Hut aus Wolken, so heißt es, soll es hoch oben stürmisch sein.

Kampf gegen Plastik auch am Playa Catania

Heute am Lido strahlt der Himmel über dem ionischen Meer blau, von celeste bis azzurro ist alles dabei. Die Wellen sind kräftig genug, um einen erwachsenen Mann umzuhauen. Später wird es einen Schauer geben. Alle packen Handtücher und Bücher ein und suchen Schutz im verwaisten Lido America oder in ihren Autos. Zehn Minuten später ist der Spuk vorbei. Danach spielen sich absurde Szenen ab. Während sich rund 50 Umweltschützerinnen darum bemühen, den Strand vom Plastik zu säubern, posen Influencer in den Wellen. Zwei Frauen und ein Mann, er mit stattlicher Figur, aber auch kein griechischer Gott. Er gehorcht den Anweisungen der beiden Damen. Er muss sich immer wieder durch sein Haar streichen, den Kopf der Sonne entgegenhalten. Es gibt Jobs, die man nicht haben möchte, selbst, wenn man damit um die Welt reisen könnte. Die Lügen dieser Bilder drehen wenige Minuten später auf Social Media ihre Runde, bevor sie für immer vergessen sind.